Vortrag: Anti-Feminismus in der Neuen Rechten

29. November 2017 – 19:00 – AZ Köln

Die Neue Rechte legt zu. Besonders sichtbar ist derzeit die AfD, die immer wieder enorme (Wahl-)Erfolge verbuchen kann. Aber auch andere neurechte AkteurInnen schaffen es immer mehr, Diskurse entsprechend ihren politischen vorstellungen zu beeinflussen.

Antifeminismus ist dabei ein zentrales Bindeglied, menschenverachtende Positionen auch über das rechte Spektrum hinaus anschlussfähig zumachen. So fordert die AfD bspw. in ihrem Parteiprogramm die Stärkung des “traditionellen Familienmodells”, d.h. die Reduzierung der Frau* auf die Rolle der Mutter und Hausfrau. Die “Geburtenrate der einheimischen Bevölkerung” solle gesteigert werden: “Mehr Kinder statt Masseneinwanderung”. Hierbei wird die Verwobenheit von antifeministischen und rassistischen Positionen deutlich.

In dem Vortrag wird ein Überblick über den Antifeminismus der Neuen Rechten in Deutschland gegeben. Die Relevanz der antifeministischen Bezüge für das Erstarken der Bewegung werden analysiert und zur Diskussion angeregt, wie wirkungsvolle Gegenstrategien aussehen können.

Charlie Kaufhold lebt in Berlin, ist aktiv in antikapitalistischen und queer-feministischen Zusammenhängen und hat (u.a.) Gender Studies studiert. Im September 2015 ist von ihr das Buch “In guter Gesellschaft? Geschlecht, Schuld und Abwehr in der Berichterstattung über Beate Zschäpe” bei Edition Assemblage erschienen.

http://az-koeln.org/ai1ec_event/_-fill-in-the-blanks-vortrag-von-charlie-kaufhold-mit-anschl-diskussion/

Redebeitrag CSD in Köln am 3. Juli 2016

Wir sind hier für den feministischen Arbeitskreis Köln. Wir sind ein FLTI*-offener politischer Zusammenschluss. Gemeinsam arbeiten wir aktiv und autonom in politischen Zusammenhängen und thematisieren in unserer Arbeit unter anderem die verschiedenen Lebens- und Diskriminierungserfahrungen von FLTI*s sowie die Sichtbarmachung diverser Identitäten und Lebensentwürfe.

Wir haben unter anderem anlässlich des Weltfrauen*tags am 08. März die Demo „Unser Feminismus ist antirassistisch“ in Köln mit organisiert. Wir sind dort gemeinsam mit tausenden Feminist*innen und Unterstützern für einen antirassistischen Feminismus und gegen die rassistische Instrumentalisierung der Silvesterereignisse auf die Straße gegangen. Wir unterstützen die „Women in exile Bustour“, die am 25.07 bis zum 14.08.2016 quer durch Deutschland tourt, geflüchtete Frauen vernetzt und auf die Situation von Geflüchteten Frauen in deutschen Unterkünften aufmerksam macht. Zudem sind wir Mitglied der Kampagne #NeinHeisstNein gegen sexualisierte Gewalt, die sich für einen konsequenten Grundtatbestand nach dem Prinzip #NeinHeisstNein im Sexualstrafrecht einsetzt.

Es ist gut und wichtig, es ist grundlegend, dass diejenigen, die im CSD nicht ausreichend repräsentiert sind, sich Gehör verschaffen, dass sie sichtbar werden. Deshalb hier ein großer Dank an den Klust, der uns eingeladen hat, uns heute vorzustellen.

Gestern hatten wir die Möglichkeit beim Dyke March als Lesben, Bisexuelle, Inter* und Trans*personen sichtbar zu sein und unsere politischen Forderungen ins Zentrum zu stellen.

Unsere politischen Forderungen, mit dem Input von TI*& Biscuit und von Baraca, einer selbstorganisierten gruppe von LSBTI* Migrant*innen und Geflüchteten würden wir euch gerne heute noch einmal vorstellen:

Seit Jahren beobachten wir einen deutlichen Rechtsruck, der sich in stark rassistischen und antifeministischen Diskursen zeigt. Jedoch zeigt sich in der aktuellen Entwicklung ein erschreckendes Ausmaß im Zusammenwirken verschiedener Ungleichheitsideologien – vor allem auch bezüglich einer massiven und im öffentlichen Diskurs verstärkten Homo-, Inter*- und Trans*feindlichkeit. Dies zeigt sich in vermehrten Mord- und Vergewaltigungsdrohungen, in menschenfeindlicher Hetze, in Bewegungen wie „besorgte Eltern“ und „Demo für alle“ gegen Sexualpädagogik der Vielfalt.“ Es kann nicht sein, dass der WDR und andere Medien Rechtspopulist*innen von der AfD immer wieder eine Plattform bieten und dadurch AfD-Positionen, als legitime Bestandteile eines demokratischen Diskurses geltend machen.

Dass homophobe Kräfte aber nicht nur an irgendeinem rechten Rand sitzen, sondern im Zentrum unserer Gesellschaft, zeigte sich vor kurzem in der Absage eines sexualpädagogischen „Workshops für Analsex-liebende und diejenigen, die es noch werden wollen“, der an der Uni Köln stattfinden sollte. Nach rechtspopulistischer Hetze auf Internetblogs und in Zeitschriften wurde unter anderem auf Druck des NRW-Schulministeriums die Veranstaltung abgesagt.

Wir fordern, dass Politik nicht mehr von homophoben „BAUCHGEFÜHLEN“ Einzelner bestimmt wird. Es muss eine Selbstverständlichkeit sein, dass für alle Paare  die gleichen Rechte gelten. Alles andere ist ideologischer und menschenverachtender Bullshit.

Familie ist da, wo Menschen füreinander sorgen und Verantwortung übernehmen. Wir fordern eine Beseitigung der prekären rechtlichen Situation für Familienkonzepte abseits der „2 Erwachsene + Kinder Konstrukte“ mit Blick auf das Erbrecht,  Sorgerecht,  Adoptionsrecht  und Unterhaltsregelungen.

Immer wieder kommt es in Gemeinschaftsunterkünften für geflüchtete Menschen zu körperlicher Gewalt, Drohungen und Mobbing von Lesben, Bisexuellen, Trans* – und Inter*personen. Erst am 13. Juni wurde eine transsexuelle Frau aus dem Irak in ihrer Unterkunft am Zülpicher Platz von ihrem Nachbarn mit einem Messer attackiert. Um sicherere Räume zu schaffen, fordern wir eine separate Unterbringung.

Die Mitarbeitenden des Rubicon leisten seit 11 Jahren im Rahmen von Baraca wichtige Unterstützungsarbeit für Gefluechtete und Migrant.innen ohne den support von der Stadt – unbezahlt. Mit dem neuen Haushalt wird Baraca nun endlich separat finanziert. Aufgrund der bisherigen männlichen Dominanz im Baraka wird ab Juli ein Treffen nur für Frauen*organisiert – baraka women* – a place for lesbian, bisexual, trans*, ínter* und queer immigrants and refugees. Das ist eine gute Nachricht.

TI*& Biscuit ist es besonders wichtig zu betonen, dass „My body, my choice“ auch die körperliche Selbstbestimmung von Inter* und Trans*menschen bedeutet. Operationen an intergeschlechtlichen Kindern sind ein Akt der Genitalverstümmelung. Ein solidarisches Aufbegehren fehlt von Seiten der LSBT Szenen genauso wie von feministischen Kreisen. Gleichzeitig wird die Entscheidung erwachsener mündiger Personen über ihren eigenen Körper über Hormoneinnahmen und OPs pathologisiert. Außerdem: Trotz der Wichtigkeit von körperlichen Veränderungen für Viele, müssen trans* und inter* Personen auch ohne angleichende OPs oder Hormone in ihrer Identität anerkannt werden.

Zudem: Schule ist ein homophober und transphober Ort. In Schulbüchern wird Heteronormativität unkritisch reproduziert. Lehrbücher müssen die Normalität von Lesben, Trans*- und Inter*personen als Kolleg*innen, Freund*innen und Sportkamerad*innen widerspiegeln.

Ansätze einer Pädagogik und Sexualpädagogik der Vielfalt müssen gefördert – nicht abgesagt werden, liebe Uni Köln. Es braucht verbindliche Vorgaben aus dem Ministerium und mehr Finanzen für die Weiterbildung. Antidiskriminierungsmaßnahmen sollten nicht vom Mut und unbezahltem Engagement einzelner zumeist selbst Betroffener abhängen.

Lasst uns heute aber auch hierhin schauen. Rassistisch diskriminierende Bemerkungen gegenüber people of colour, sexualisierte Übergriffe spezifisch auch auf Frauen* und Busen-Tatscherei, Exotisierung spezifisch von Migrant*innen sind am CSD an der Tagesordnung. Grenzüberschreitungen, Sexualisierung und Objektivierung von Menschen finden wir scheiße.

Der KLUST und der LSVD haben keinen legitimen Alleinvertretungsanspruch für unsere Szenen und Communities. Es geht von der Frage wer Redebeiträge hält über die Frage wer Entscheidungen trifft und im Vorstand sitzt, welche Forderungen gestellt werden  – welche nicht –  bis hin zur Frage, wer letztendlich anwesend ist. Kooperiert mit feministischen Gruppen, mit Trans* und Inter*gruppen, mit Migrant*innen-Selbstorganisationen wie baraka, schmiedet Bündnisse auf Augenhöhe. Dann gibt es nächstes Jahr hoffentlich ein starkes CSD-Motto, das wirklich Schlagkraft und eine politische Wirkung hat.

Der CSD muss mehr sein als Kommerz.

DANKE!

Redebeitrag Dyke* March am 2. Juni 2016

Wir sind hier für den feministischen Arbeitskreis Köln. Wir sind ein FLTI*-offener politischer Zusammenschluss. Wir haben unter anderem die Demo „Unser Feminismus ist antirassistisch“ im März in Köln mit organisiert, unterstützen die Women in exile Bustour und sind Mitglied der Kampagne #NeinHeisstNein gegen sexualisierte Gewalt.

Da wir der einzige Redebeitrag von FLTI*-Aktivist*innen sind, war es uns wichtig, Teile eines Redebeitrages der Trans*- und Inter*Gruppe TI*& Biscuit sowie einen Input von Baraka mit in die Rede rein zu nehmen. Danke für euren Input.

Es ist gut und wichtig, es ist grundlegend, dass diejenigen, die im CSD nicht ausreichend repräsentiert sind, sich Gehör verschaffen, dass sie sichtbar werden. Unsere Sichtbarkeit heute ist politisch – und dringend notwendig. Daher hier explizit ein großer Dank an das Orga-Team und an die Initiatorinnen des Dyke March Cologne.

Seit Jahren beobachten wir einen deutlichen Rechtsruck, der sich in stark rassistischen und antifeministischen Diskursen zeigt. Jedoch zeigt sich in der aktuellen Entwicklung ein erschreckendes Ausmaß im Zusammenwirken verschiedener Ungleichheitsideologien – vor allem auch bezüglich einer massiven und im öffentlichen Diskurs verstärkten Homo-, Inter*- und Trans*feindlichkeit. Dies zeigt sich in vermehrten Mord- und Vergewaltigungsdrohungen, in menschenfeindlicher Hetze, in Bewegungen wie „besorgte Eltern“ und „Demo für alle“ gegen Sexualpädagogik der Vielfalt.“ Es kann nicht sein, dass der WDR und andere Medien Rechtspopulist*innen von der AfD immer wieder eine Plattform bieten und dadurch AfD-Positionen, als legitime Bestandteile eines demokratischen Diskurses geltend machen.

Dass homophobe Kräfte aber nicht nur an irgendeinem rechten Rand sitzen, sondern im Zentrum unserer Gesellschaft, zeigte sich vor kurzem in der Absage eines sexualpädagogischen „Workshops für Analsex-liebende und diejenigen, die es noch werden wollen“, der an der Uni Köln stattfinden sollte. Nach rechtspopulistischer Hetze auf Internetblogs und in Zeitschriften wurde unter anderem auf Druck des NRW-Schulministeriums die Veranstaltung abgesagt.

Lasst uns diesen Dyke March nutzen zum kennen lernen, zum Vernetzen, zum Schnacken – und vielleicht auch zum flirten 😉 ABER: Dieser Dyke* March muss vor allem politisch sein. Es kann nicht nur um unsere Sichtbarkeit gehen. Es muss uns darum gehen, als Lesben, Bisexuelle, Inter*- und Trans*personen aufzubegehren, mitzubestimmen und unsere politischen Forderungen vehement einzufordern.

Wir fordern, dass Politik nicht mehr von homophoben „BAUCHGEFÜHLEN“ Einzelner bestimmt wird. Es muss eine Selbstverständlichkeit sein, dass für alle Paare  die gleichen Rechte gelten. Alles andere ist ideologischer und menschenverachtender Bullshit.

Familie ist da, wo Menschen füreinander sorgen und Verantwortung übernehmen. Wir fordern eine Beseitigung der prekären rechtlichen Situation für Familienkonzepte abseits der „2 Erwachsene + Kinder Konstrukte“ mit Blick auf das Erbrecht,  Sorgerecht,  Adoptionsrecht  und Unterhaltsregelungen.

Immer wieder kommt es in Gemeinschaftsunterkünften für geflüchtete Menschen zu körperlicher Gewalt, Drohungen und Mobbing von Lesben, Bisexuellen, Trans* – und Inter*personen. Erst am 13. Juni wurde eine transsexuelle Frau aus dem Irak in ihrer Unterkunft am Zülpicher Platz von ihrem Nachbarn mit einem Messer attackiert. Um sicherere Räume zu schaffen, fordern wir eine separate Unterbringung.

Die Mitarbeitenden des Rubicon leisten seit 11 Jahren im Rahmen von Baraca wichtige Unterstützungsarbeit für Gefluechtete und Migrant.innen ohne den support von der Stadt – unbezahlt. Mit dem neuen Haushalt wird Baraca hoffentlich endlich separat finanziert. Aufgrund der bisherigen männlichen Dominanz im Baraka wird ab Juli ein Treffen nur für Frauen*organisiert – baraka women* – a place for lesbian, bisexual, trans*, ínter* und queer immigrants and refugees. Das ist eine gute Nachricht.

TI*& Biscuit ist es besonders wichtig zu betonen, dass „My body, my choice“ auch die körperliche Selbstbestimmung von Inter* und Trans*menschen bedeutet. Operationen an intergeschlechtlichen Kindern sind ein Akt der Genitalverstümmelung. Ein solidarisches Aufbegehren fehlt von Seiten der LSBT Szenen genauso wie von feministischen Kreisen. Gleichzeitig wird die Entscheidung erwachsener mündiger Personen über ihren eigenen Körper über Hormoneinnahmen und OPs pathologisiert. Außerdem: Trotz der Wichtigkeit von körperlichen Veränderungen für Viele, müssen trans* und inter* Personen auch ohne angleichende OPs oder Hormone in ihrer Identität anerkannt werden.

Zudem: Schule ist ein homophober und transphober Ort. In Schulbüchern wird Heteronormativität unkritisch reproduziert. Lehrbücher müssen die Normalität von Lesben, Trans*- und Inter*personen als Kolleg*innen, Freund*innen und Sportkamerad*innen widerspiegeln.

Ansätze einer Pädagogik und Sexualpädagogik der Vielfalt müssen gefördert – nicht abgesagt werden, liebe Uni Köln. Es braucht verbindliche Vorgaben aus dem Ministerium und mehr Finanzen für die Weiterbildung. Antidiskriminierungsmaßnahmen sollten nicht vom Mut und unbezahltem Engagement einzelner zumeist selbst Betroffener abhängen.

Lasst uns heute aber auch hierhin schauen. Rassistisch diskriminierende Bemerkungen gegenüber people of colour, sexualisierte Übergriffe spezifisch auch auf Frauen* und Busen-Tatscherei, Exotisierung spezifisch von Migrant*innen sind am CSD an der Tagesordnung. Grenzüberschreitungen, Sexualisierung und Objektivierung von Menschen finden wir scheiße.

Der KLUST und der LSVD haben keinen legitimen Alleinvertretungsanspruch für unsere Szenen und Communities. Es geht von der Frage wer Redebeiträge hält über die Frage wer Entscheidungen trifft und im Vorstand sitzt, welche Forderungen gestellt werden  – welche nicht –  bis hin zur Frage, wer letztendlich anwesend ist. Kooperiert mit feministischen Gruppen, mit Trans* und Inter*gruppen, mit Migrant*innen-Selbstorganisationen wie baraka, schmiedet Bündnisse auf Augenhöhe. Dann gibt es nächstes Jahr hoffentlich ein starkes CSD-Motto, das wirklich Schlagkraft und eine politische Wirkung hat.

Der CSD muss mehr sein als Kommerz.

Unser Kommentar zur Demo am 12.03.2016

Konfetti und Glitzer für den Feminismus (Triggerwarnung: gewaltvolle Sprache)

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Am 12.03. sind tausende Feminist*innen und Unterstützer mit uns für einen antirassistischen Feminismus auf die Straße gegangen. Wir waren begeistert von der Vielzahl der Gruppen aus verschiedenen Zusammenhängen und Städten, die alle mit einer enormen Kreativität etwas zur Demo beigetragen haben: Von selbstgemalten Transparenten über Tampon-Aktionen , Seifenblasen, Konfetti, Glitzer, Masken, geschminkte Gesichter, bunte Regenschirme, lila und pinke Rauchtöpfe oder queerfeministische Verschönerungen des Stadtbildes an Statuen und Strassenschildern. Besonders begeistert waren wir vom riesigen FLTI* Block, der die Demo lautstark und bunt angeführt hat. Kinder und Hunde hatten viel Spaß mit dem geworfenen Konfetti und den Seifenblasen. Trotz repressiven und provokanten Verhaltens seitens der Polizei herrschte auf der Demo eine fröhliche und solidarische Stimmung. Insgesamt wurden 16 Redebeiträge von unterschiedlichen Gruppen und Organisationen vorgetragen, welche verschiedene Perspektiven unter anderem hinsichtlich der rassistischen Instrumentalisierung der Silvesterereignisse, der Asylpolitik und sexualisierter Gewalt aufgezeigt haben.
Dank der emanzipatorischen Sounds von Cheru, Sookee, Nicki Minaj, MEN, Aretha Franklin und co. konnte die gute Stimmung auch nicht durch die von der Polizei erzwungenen Stops gedrückt werden. Die massive Präsenz der Polizei und das Spalierlaufen Schulter an Schulter mit den Demonstrierenden sorgte leider dafür, dass viele Transpis für Passant*innen unlesbar waren. Außerdem mischte sich die Polizei unter die Demo, störte Gespräche und schüchterte die Demonstrant*innen durch massives Abfilmen und Identitätskontrollen ein. Des Weiteren wurde der Wunsch im FLTI*-Block nur weibliche* Polizeikräfte einzusetzen komplett ignoriert. Stattdessen gab es provokantes Mackerverhalten und Rumgeschubse. Nach der Abschlusskundgebung am Alter Markt haben wir aber auch die Beobachtungen gemacht, dass mehrfach, scheinbar gezielt und teils brutal, Demonstrant*innen aus der Demo herausgezogen wurden, um deren Personalien festzustellen.
Leider blieben sexistische Sprüche und Mackertum auch innerhalb der Demo nicht aus. Besonders schockiert uns die Beobachtung einer Demonstrantin, nach deren Aussage folgendes zu hören war: „Geil Leute, jetzt ficken wir die Cops richtig! Immer rein damit, auch trocken!“ Mit solchen Aussagen wird Vergewaltigungskultur reproduziert. Es muss überlegt werden, wie mit dieser Art von Verhalten innerhalb eines Demobündisses umgegangen werden kann. Rückblickend müssen wir außerdem sagen, dass die Praxis des FLTI*-Blocks noch weiter entwickelt werden kann.
Der Organisationsprozess der Demo hat gezeigt, dass Feminismus nur intersektional funktioniert, weil sexistische und patriarchale Strukturen unterschiedliche Menschen in verschiedener Weise betreffen und unterdrücken. Nur durch den gegenseitigen Austausch und die gegenseitige Solidarität können wir die herrschenden Strukturen zum Wanken bringen. Feminismus muss aus verschiedenen Perspektiven für verschiedene Perspektiven gemacht werden.

Um mit Flavia Dzodan’s Worten zu sprechen „Our feminism will be intersectional or it will be bullshit“.

Aufruf zum FLTI*-Block in der bundesweiten 12. März Demo 2016 in Köln

Wider die Zustände – Smash the patriarchy

Zur Demo anlässlich des Frauen*tags am 08.März wollen wir als FLTI*Block ein kämpferisches Zeichen setzen und uns solidarisch mit all denjenigen zeigen, die ebenfalls alltäglich von (Hetero-)Sexismus und sexualisierten Übergriffen betroffen sind.

Wieso? Weshalb? Warum?

FLTI* bedeutet Frauen, Lesben, Transmänner, Transfrauen, Transgender, Intergeschlechtliche Personen sowie andere Menschen, die sich nicht in einem zweigeschlechtlichen System verorten.

Da FLTI* besonders von unterschiedlichster Diskriminierung betroffen sind, ist es wichtig einen Raum zu schaffen, in dem sie geschlossen und sicher an Demonstrationen teilnehmen können. Darüber hinaus sollen gerade diese Personen mit ihren Erfahrungen Sichtbarkeit erlangen. Der Aufruf zu einem FLTI*Block ist für uns auch ein politisches Statement – in dem Sinne, dass die vorherrschenden Normen von männlicher Dominanz, Zweigeschlechtlichkeit und Heterosexualität reflektiert und dekonstruiert werden sollen.

Sexismus äußert sich nicht nur in Form von Beleidigungen, Grenzüberschreitungen und sexualisierter Gewalt, sondern ist überall in der Gesellschaft zu finden. Es mag noch so schön sein, dass eine Frau in Deutschland Kanzlerin sein kann oder Frauen* jetzt auch Karriere machen dürfen– ein System, dass die patriarchale Geschlechterordnung, also den Vorrang von Männlichkeiten, durch beispielsweise Lohnungleichheit, Niedriglöhne im Sektor der Care-Arbeit, Slutshaming und körperliche Bevormundung von FLTI* aufrechterhält, können wir nicht akzeptieren.

Diese Problematiken gibt es nicht erst seit der Silvesternacht und sie gehen auch nicht nur von nicht weißen Männern aus, sondern sind tief innerhalb der patriarchalen, kapitalistischen Konkurrenzgesellschaft, die nur auf Basis von Ungleichheit, Ausschluss und Machthierarchien funktioniert, verwurzelt.
Eine rassistische Instrumentalisierung der Silvester-Geschehnisse ist für uns unzumutbar!
Rassistische Gruppen und rechte Parteien fühlen sich im Recht, nun „ihre“ (sprich: weißen) Frauen gegen eine „falsche“ (sprich: nicht weiße) Männlichkeit verteidigen zu müssen. Umso mehr ist diese Instrumentalisierung nicht zu akzeptieren, weil vor allem FLTI*of colour und FLTI* auf der Flucht mit dem Asylpaket die Konsequenzen tragen müssen. Wir erkennen grundlegend an, dass FLTI* of colour in besonderer Weise sexualisiert werden und in spezieller Weise von sexualisierter Gewalt, Grenzüberschreitungen und Diskriminierung betroffen sind – speziell auch hier in Deutschland.

Wir sind der Meinung, dass unsere feministische Perspektive nur antirassistisch und antikapitalistisch sein kann.

Smash the Cis-tem, fight (hetero-)sexism!
Smash the patriarchy and reclaim your feminism!
Refugees welcome!

Stellungnahme zum „Woman Walk“ am 17.01.2016

Das Private ist Politisch

Der FAK ist dem Aufruf des Woman Walk gefolgt und stellte auf der Demo einen FLTI* Block. Die Veranstaltung wurde von zwei Privatpersonen initiiert und es fand sich eine Vielzahl von unterschiedlichsten Menschen am Sonntag auf dem Roncalli-Platz ein. Da die Veranstalterinnen im Vorfeld betonten, dass die Veranstaltung „offen für JEDEN“ sei, fanden wir es notwendig zu einem gesonderten Block aufzurufen.

Wieso? Weshalb? Warum?

Da gerade FLTI* Menschen besonders von unterschiedlichster Diskriminierung betroffen sind, ist es wichtig einen Raum zu schaffen, in dem sie geschlossen und sicher an solchen Veranstaltungen partizipieren können. Darüber hinaus sollen gerade diese Menschen mit ihren Erfahrungen eine Sichtbarkeit erlangen. Die Positionierung eines FLTI* Blocks war für uns auch ein politisches Statement, in dem Sinne, dass das diskurs-beherrschende binäre Geschlechtersystem zu reflektieren/zu dekonstruieren ist.
Aus mehreren Gründen wurde uns die Relevanz eines FLTI*Blocks auf Veranstaltungen wie dieser besonders deutlich:

– Mehrfach wurde im Vorfeld, wie auch auf der Veranstaltung von Seiten der Initiatorinnen betont, dass der Woman Walk KEINE politische Veranstaltung sei.
Gerade die Silvesterereignisse, wie auch alltägliche Übergriffe (die nicht in den Medien verhandelt werden) und Anlass dieser Demo waren, demonstrieren wie leicht sexualisierte Gewalt politisch instrumentalisiert wird und in einem rassistischen Diskurs mündet. Darüber hinaus sind wir als FAK der Meinung, dass Kämpfe gegen binäre Geschlechtersysteme, (Hetero-)Sexismus und die Unterdrückung der Frau* stets als politisch zu verstehen sind, da wir – ob wir wollen oder nicht – von Politik(en) betroffen sind und uns nicht davon loslösen können.

– Unter den Demonstrierenden befand sich auch eine Person von PRO NRW, die während des Redebeitrags lauthals „feministischer Terror“ und „Ausländer raus“ gröhlte. Daraufhin wurde die Person von mehreren Menschen aus dem Publikum aufgefordert, die Demonstration zu verlassen. Es kam zu einem Handgemänge, das schließlich mit der Abführung der PRO NRW zugehörigen Person durch die Polizei endete. Im selben Moment wurde der gerade stattfindende Redebeitrag durch eine der Veranstalterinnen unterbrochen und es wurde betont, dass niemand des Platzes verwiesen werden dürfe. Wir sind uns durchaus bewusst, dass sich Organisator_innen an Auflagen halten müssen. Uns bestürzt jedoch das im Nachhinein veröffentlichte Statement der Veranstalterin, in dem sie betont, dass „wenn man auf Provokation eingeht dann erreichen solche Typen genau das was sie erreichen wollen AUFMERKSAMKEITund UNRUHE STIFTEN. Ich habe gelernt das in so einem Fall absolutes ignorieren und sich nicht von seinem ziel abbringen lassen seine intention treu bleiben wesentlich mehr erfolg zeigt.“ (Facebook).
Mit einer solchen Haltung gegenüber Konfliktsituationen, zeigt sich eine weitere Form von sexueller Sozialisation in einer patriarchalen Gesellschaft: Frauen wird beigebracht, Konfliktsituationen zu meiden.
Wir hingegen haben gelernt, dass das Ignorieren von rassistischen, sowie sexistischen Angriffen (ob verbal oder non-verbal) nicht der richtige Weg sein kann, sondern lediglich der bequemste und einfachste ist. Nur eine Reaktion und das Aufmerksam machen auf Personen mit menschenverachtenden Ansichten kann zu einer Öffentlichkeit und Sichtbarmachung führen und somit ein eindeutiges Signal setzen. Äußerst bedenklich an der Nicht-Positionierung gegen die PRO NRW Intervention ist außerdem, dass Frauen of colour sich laut eigener Aussage nach diesem Ereignis bei der Veranstaltung fehl am Platz fühlten und abseits liefen, da eine Distanzierung der Veranstalterin und des Woman Walks von Pro NRW ausblieb.

– Auf der Abschlusskundgebung gab es einen sehr persönlichen Redebeitrag, in dem es auch Raum für queer-politische Ansätze gab. Leider endete der Beitrag in einer Reproduktion biologisierender Stereotype: Frauen seien aufeinander eifersüchtig und neidisch. Der Begriff Frauen wird hier als Kollektivsingular benutzt. Frauen sind nach dieser Logik eine homogene Gruppe und es liegt in ihrer „Natur“, sich so zu verhalten. Biologistische Aussagen von einer „Natur der Frau“ sind nur ein Deckmantel zur Legitimation eines patriarchalen Unterdrückungssystems. Das gerade Frauen diese reproduzieren, zeigt inwieweit sich Machtstrukturen in den Habitus jede_r Einzelnen eingeschrieben haben.

– Uns bestürzen vor allem die Kommentare bei Facebook im Nachgang der Veranstaltung:
Die dortigen Rückmeldungen zeigen, dass scheinbar vielen Menschen der 15 minütige, aus antirassistisch-feministischer Perspektive inhaltlich sehr überzeugende, Redebeitrag in Anbetracht der eisigen Temperaturen zu lang war. Gefordert wird weniger Inhalt, mehr „girls just wanna have fun“. Dazu zählt wohl auch der Wunsch, die „Mitte der Gesellschaft“ (wir fragen uns, wer das sein soll?) mehr anzusprechen. Die Utopie der bürgerlichen Mitte als Rückzugsort kollektiver Identität macht wieder allzu deutlich, dass kein Interesse an einer gesellschaftskritischen Auseinandersetzung besteht. Da das Konzept der Mitte normativ ist und die Maßstäbe setzen kann.
Eine Differenzierung und Anerkennung verschiedenster Geschlechteridentitäten und Begehren ist vielen wohl zu anstrengend. Vermisst wurden von einer Kommentatorin: „kluge heterosexuelle Menschen“.
Wir möchten an dieser Stelle jedoch nicht die Vielzahl von unreflektierten und beleidigenden Beiträgen wiedergeben. Fest steht nur, dass es massive Angriffe auf die Rednerinnen gab und gibt. Auch eine großes „Frauenmagazin“ macht davor nicht halt. Die diskriminierenden Beiträge zeigen uns die hässliche Fratze von Homo-, sowie Transphobie, Rassismus und Sexismus, gegen die doch eigentlich demonstriert werden sollte.

– In den Tagen nach dem Walk wurden die Veranstalterinnen massiv bedroht und sind psychischer Gewalt ausgesetzt, obwohl sie sich nicht als Feministinnen, sondern eher als unpolitisch verstehen.
Gerade der letzte Punkt zeigt, dass der Kampf gegen Sexismus und Rassismus stets politisch ist und auch in der Außenwirkung so wahrgenommen wird.

Auch wenn uns Vorfälle auf der Demonstration auf Grund ihres Inhaltes irritierten, danken wir den Veranstalterinnen für den Woman Walk und stellen uns solidarisch mit ihnen gegen den Hass, der ihnen momentan entgegenschlägt.
Die Reaktionen auf den Woman Walk verdeutlichen noch einmal, wie angespannt die momentane Lage des antisexistischen Protestes ist und wie verschiedene Interessenslagen kollidieren, statt gemeinsam für eine Bekämpfung von Rassismus und Sexismus einzustehen.
„Girls just wanna have fun“ ist uns zu wenig! Gegen Sexismus in jeder Gestalt – immer und überall! Ja, wir sind wütend und politisch!